Anderes Bild des Familienwappens
Wagenseil, Georg Christoph (C l a v i e r s p i e l e r u n
d C o m p o n i s t, geb. zu Wien im Jahre 1688 [falsch!,
29.1.1715 Anmerkung K.W.], gest. d a s e l b s t am 1. März 1777).
Seine musicalische Ausbildung erhielt er noch durch debn berühmten
kaiserlichen Obercapellmeister J. J. F u x [Bd. V, S. 41]. 1739
wurde er als Compositor mit einem Jahrgehalt von 360 fl. an der
kaiserlichen Hofmusikcapelle in Wien angestellt
und auf diesem Posten unter der Kaiserin M a r i a T h e r e s i a
und Kaiser J o s e p h I I. bestätigt. Da er sich
aber eines ungemein vortheilhaften Rufes in der Doppeleigenschaft als
Mensch und Musicus erfreute, berief ihn die Kaiserin M a r i a T h
e r e s i a zu ihrem Musikmeister und später als solchen zu ihren
Erzherzoginen Töchtern.
Er versah dieses ehrenvolle Amt viele Jahre hindurch, und zwar bei einem
ansehnlichen Gehalt, welches er auch von dem Tage an, da er nicht mehr
bei Hofe erschien, bis zu seinem Tode bezog.
In seinen letzten Lebensjahren kam er zu dem Podagra, welches ihm schon
früher drei Finger seiner linken Hand gelähmt hatte, noch eine weit
stärkere Lähmung, die
sich über seine ganze rechte Hüfte ausdehnte und ihn bleibend an das
Zimmer fesselte. Nichts desto weniger lag er seinen gewohnten
musicalischen Arbeiten wie immer ob
und ertheilte noch als 86jähriger Greis Musikunterricht. Wenige Jahre
vor seinem Hingange spielte er noch vor B u r n e y mit einer Sicherheit
und einem Feuer auf dem Clavier,
daß man sein hohes Alter nicht ahnte. W a g e n s e i l war als
Compositor und Lehrer vielfach thätig. er versuchte sich in größeren
dramatischen Werken und schrieb die Oper "Siroe" und
das Oratorium "Gioas rè di Giuda", ohne jedoch weder mit ersterem noch
mit letzterem durchzudringen. Auch componirte er mehrere italienische
Lieder mit nicht großerem Glücke,
daher auch von seinen V o c a l compositionen nichts zum Drucke
gelangte. Mehr Erfolg dagegen hatte er mit seinen Clavierwerken, von
denen folgende im Stich erschienen sind:
"Suauis artificiose elaboratus concentus musicus, continens VI parthias selectas ad clauicembalum compositas" (Bamberg 1740); - "XVIII Divertimenti da Cembalo" Op. 1 bis 3 (Wien); - "X Symphonien fürs Clavier mit zwei Violons und Bass" Op. 4,7,8; - "Il Divertimenti fürs Clavier mit einer Violon und [S. 72] Bass", nebst einem "Divert. für zwei Flügel" Op. 5 (ebd.); - "VI Claviersonaten mit einer Violin" Op. 6 (Paris).
Ungleich größer ist jedoch die Zahl seiner ungedruckt gebliebenen Compositionen, welche nach älteren Verzeichnissen umfassen: 30 Orchestersymphonien, 36 Violintrios, 27 Clavierconcerte, 30 Claviersuiten. Alle diese handschriftlichen Werke befanden sich bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts in der B r e i t k o p f'schen Musicalienniederlage zu Leipzig. Der Katalog der Wiener Musicalienhandlung T r a e g führt aber von W a g e n s e i l' s kirchlichen Compositionen an: ein "Consitebor für vier Stimmen", ein "Salve Regina", ein "Magnificat", ein "Anima mea" und verschiedene kleinere Werke. Unser Künstler war zu seiner Zeit ein sehr beliebter Componist, dessen Werke, obwohl sie in Berlin nicht gefielen, in Wien großen Beifall fanden. In Vocalsachen nicht bedeutend, verband er in seinen Claviercompositionen mit strengem Satz Originalität und seinen musicalischen Sinn. Als Lehrer war er in Wien sehr gesucht, und von seinen Schülern sind zu nennen: M e d e r i t s c h, genannt G a l l u s [Band XVII, S. 199], der Compositeur des seinerzeit so beliebten "Darfbarbier", und die Gebrüder Anton und Franz T e y b e r [Bd. XLIX, S. 107 und 110]. [Anmerkung von Kris Wagenseil: Warum M o z a r t nicht mit aufgezählt wird, ist unbekannt. Auf jeden Fall war eines von Mozarts ersten Konzerten ein Stück Wagenseils, der junge Mozart (siehe unten) begegnete Wagenseil auch persönlich. Im folgenden handelt es sich um eine Verwechslung mit Christian Jacob Wagenseil:] Zum Schluß sei noch bemerkt, daß der bei E. W e i n g a rt in Erfurt 1864 unter dem Titel "Musica theatralis" ausgegebene Katalog gedruckt erschienener Opernclavierauszüge von W a g e n s e i l eine Oper "Ehrlichkeit und Liebe" (Leipzig bei Wienbrack) anführt.
Karadar Classical Music Biographie:
Mutter: Wagenseil, Anna Maria Maus
Lebens-/Wirkungsjahre: 1685-1746
Mutter des österr. Komponisten Georg Christoph Wagenseil
Aus: Brigitta Hamann, "Nichts als Musik im Kopf. Das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart", Wien: Ueberreuter 1990.
» Und dann schaute der Sechsjährige den Kaiser Franz recht energisch an und sagte gar nicht sehr respektvoll: "Ist Herr Wagenseil nicht hier? Der soll herkommen. Der versteht es." Georg Christoph Wagenseil war kaiserlicher Hofkompositeur und Klavierlehrer der Kaiserin, ein berühmter Mann. Eigentlich war Wolfgangs Bitte sehr keck. Aber Wagenseil, der unter den Zuhörern war und sehr wohl verstanden hatte, dass da etwas ganz Besonderes vor sich ging, kam bereitwillig zum Klavier. Wolfgang sagte sehr selbstbewusst und so, als wenn er ein alter Kollege des kaiserlichen Hofkompositeurs wäre: "Ich spiele ein Konzert von Ihnen, Monsieur Wagenseil. Sie müssen mir umwenden." Und so assistierte der große Wagenseil dem kleinen Mozart und streichelte ihm nach dem Konzert bewundernd die Wange: "Du bist ein richtiger Musiker." Und Wolfgang strahlte vor Glück und Stolz.« (vergleiche "Mozart spielte Wagenseil")
Das Mozart-Musical, 16. Hier in Wien!Er stammt ab von Felix aus der 4. Generation.
„Aber baß wär’ es, unsere jungen Clavierspieler übten sich im Wagenseil, als daß sie die ärmlichen Clavierstücke eines Alberti, Hepp, der neuern Welschen und besonders der Franzosen herunterhaspeln“, schrieb Schubart 1775 (s.u.).
Literatur:
Helga Scholz-Michelitsch: "Georg Christoph Wagenseil. Hofkomponist u. Hofklaviermeister d. Kaiserin Maria Theresia", Wien: Braumüller, 1980, Auszüge.
John Kucaba: "The symphonies of Georg Christoph Wagenseil", Diss. masch., Boston 1967.
Helga Michelitsch: "Das Klavierwerk von Georg Christoph Wagenseil. Thematischer Katalog", Wien 1966 (Tabulae Musicae Austriacae; 3).
Helga Scholz-Michelitsch: "Das Orchester- und Kammermusikwerk von Georg Christoph Wagenseil. Thematischer Katalog", Wien 1972 (Tabulae Musicae Austriacae; 6).
G. C. Wagenseil: "Mater dolorum", Wien: Heyinger 1735 [ books.google.com ].
G.C. Wagenseil: "Six Concertos for the Harpsichord or Organ with Accompanyments for Two Violins and a Bass. [Parts.]", London: I. Walsh 1761 [ books.google.com ].
Charles Burney: "Carl Burney's der Musik Doctors Tagebuch einer Musikalischen Reise durch Frankreich und Italien. Zweyter Band, Durch Flandern, die Niederlande und am Rhein bis Wien", Hamburg: Bode 1773, S. 241ff. [ digitale-sammlungen.de ].
[Ignaz] de Luca: "Das Andenken George Christoph Wagenseil von Wagenseil. Hofkompositors in Wien. Kaiserlich koniglichen allergnadigst privilegierten Realzeitung der Wissenschaften", Vienna; Kunste und Kommerzien, 26. Stück, den 22. September 1777, S. 405-407, z.B. S. 405f.: "Er hatte noch kaum 18 Frühlinge zurück gelegt, als er schon anfieng für das Klavier zu setzen. Dies frühzeitige Komponiren führte ihn auch frühzeitig zur Ueberzeugung, daß man ohne Grundsätze weder in der Kunst, noch in den Wissenschaften ein großer Mann werden kann" [ digital.onb.ac.at: Suche "wagenseil" ].
Christian Friedrich Daniel Schubart: "Gesammelte Schriften und Schicksale", Bände 5-6, Stuttgart: Scheible 1839, S. 183ff. (ab S. 139 "Auszüge und Stellen aus der 'deutschen' Chronik. Jahrgang 1774 bis Anfang 1777", "Jahrgang 1775", "Tonkunst") [ books.google.com ].
Robert Sondheimer: "Die formale Entwicklung der vorklassischen Sinfonie", in: "Archiv für Musikwissenschaft", IV. Jahrgang 1922, S. 323ff.; "Die Sinfonien Franz Becks", in: "Zeitschrift für Musikwissenschaft", IV. Jahrgang 1922, S. 85ff.
Irene Pelikant: "Die Klavierwerke von G. Chr. Wagenseil", Disseration, Wien 1926 (ungedr.).
Walther Vetter: "Georg Christoph Wagenseil, ein Vorläufer Christoph Willibald Glucks", in: "Zeitschrift für Musikwissenschaft", VIII. Jahrgang, Siebentes Heft, April 1926, S. 385-403 [ archive.org ].
Günter Hausswald: "Der Divertimento-Begriff bei Georg Christoph Wagenseil", in: "Archiv für Musikwissenschaft", 9. Jahrg., H. 1, Franz Steiner Verlag 1952, S. 45-50.
Michael Thomas Roeder: "The Preclassical Symphony With An Analysis Of Representative Works By Georg Christoph Wagenseil", Master Thesis, Albuquerque: University of New Mexico 1968 [ digitalrepository.unm.edu ].
Wolfgang Reich: "Wagenseil in Dresden", in: "Die Musikforschung", Bd. 47 Nr. 3, 1994, S. 274f. mit Bezug auf ein "Schreiben, mit dem sich am 12. Juni 1738 der Dresdner Directeur des plaisirs, Kammerherr Heinrich August von Breitenbauch, beim Kabinettsminister Graf Brühl unter anderem für den 'Wiener Compositeur Wagenseiler' verwendet ([Locar 383], fol. 219-220)" [ mf.journals.qucosa.de ].
Martin Eybl: "Zur Konjunktur des Wiener Klavierkonzerts um 1760. Wagenseil am Musikalienmarkt", in: "Zeitschrift Österreichische Musikzeitschrift", Band 62, Nr. 10/2007, S. 4-16.
Jason L. Oliver: "The Creation of a Performance Edition of the Georg Christoph Wagenseil Concerto for Trombone with Attention Given to the Surviving Manuscripts and Primary Sources of Performance Practice from the Middle of the Eighteenth Century", Dissertation, Denton: University of North Texas, August 2010 [ digital.library.unt.edu ].
Abb. Autograph von Georg Christoph Wagenseil, 1765: "Georg Cristoff Wagenseil Kais. Königl. [...] Maestro di Musica dell' Augustissima famiglia Imperiale ynnin[..]n 1500 [...]" (nach Wikimedia, Quelle ist Scholz-Michelitsch 1980, S. 45, Abb. 16: "Steuererklärung", S. 99: "Musiksammlung der ÖNB").
Werksverzeichnis (im Aufbau):
WV 1 | Divertimento II, C-Dur Op. 1 |
WV 3 | Divertimento I, C-Dur Op. 2 |
WV 16 | Divertimento V, c-moll Op. 2 |
WV 21 | Divertimento I, D-Dur Op. 1 |
WV 32 | Divertimento IV, E-Dur Op. 1 |
WV 33 | Divertimento VI, E-Dur Op. 2 |
WV 38 | Divertimento III, F-Dur Op. 1 |
WV 39 | Divertimento III, F-Dur Op. 2 |
WV 53 | Divertimento II, Concerto Nr. 6 G-Dur Op. 2 |
WV 54 | Divertimento IV, G-Dur Op. 2 |
WV 64 | Divertimento V, A-Dur Op. 1 |
WV 80 | Divertimento VI, B-Dur Op. 1 |
Orgelkonzert Nr. 1 für Orgel & Streicher C-Dur | |
Orgelkonzert Nr. 2 für Orgel & Streicher C-Dur 1. Allegro 2. Andante 3. Tempo di Menuetto | |
Orgelkonzert Nr. 3 für Orgel & Streicher F-Dur 1. Allegro 2. Andante 3. Tempo di Menuetto | |
Orgelkonzert Nr. 4 für Orgel & Streicher Es-Dur | |
Orgelkonzert Nr. 5 für Orgel & Streicher G-Dur 1. Allegro moderato 2. Andante 3. Allegro | |
Orgelkonzert Nr. 6 für Orgel & Streicher A-Dur 1. Vivace 2. Larghetto 3. Tempo di Menuetto | |
WV 281 | Konzert für Harfe und Streicher F-Dur 1. Allegro 2. Andante 3. Tempo di menuetto |
WV 325 | Konzert für Klavier, Violine und Streicher F-Dur 1. Vivace 2. Larghetto 3. Tempo di minuetto |
WV 342 | Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo D-Dur 1. Allegro 2. Largo 3. Allegro vivace |
WV 345 | Konzert für Oboe, Fagott, Bläser, Streicher und Basso continuo Es-Dur 1. Allegro assai 2. Andantino più tosto allegro 3. Presto |
WV 351 | Symphonie C-Dur (Ouvertüre zur Oper Vincislao, Uraufführung 8. Dezember 1750) 1. Allegro assai 2. Polonaise 3. Allegro assai |
WV 353 | Symphonie C-Dur für 2 Violinen, 2 Oboen, 2 Hörner und Basso (Musikmanuskript von ca. 1775, als Nr. 5 in Pariser Sammelband, verlegt bei Huberty, [1759?], Paul van Kuik Antiquariat Kat. 68) |
WV 361 | Symphonie C-Dur Op. 5, Nr. 5 1. Allegro molto 2. Andante 3. Tempo di minuetto |
WV 374 | Symphonie D-Dur Op. 3, Nr. 1 1. Allegro 2. Andante 3. Allegro assai |
WV 393 | Symphonie E-Dur Op. 13, Nr. 3 1. Allegro 2. Andante molto 3. Menuet |
WV 398 | Symphonie F-Dur 1. Allegro assai 2. Andante 3. Allegro assai |
WV 413 | Symphonie G-Dur 1. Allegro di molto 2. Largo 3. Tempo di Minuetto |
WV 418 | Symphonie g-moll (1760er) 1. Vivace 2. Andantino 3. Allegro assai |
WV 421 | Symphonie A-Dur Op. 12, Nr. 5 1. Allegro 2. Andante 3. Allegro assai |
WV 432 | Symphonie A-Dur 1. Con spirito 2. Allegretto sempre piano 3. Con spirito |
WV 438 | Symphonie B-Dur (1750er) 1. Allegro 2. Andante ma molto 3. Vivace |
WV 441 | Symphonie B-Dur (ca. 1764) 1. Vivace 2. Andante 3. Tempo di Menuet |
WV 508 | Triosonate B-Dur
für Klarinette, Violine und Basso continuo (Erstdruck Wien: Doblinger,
1977; Reihe "Diletto musicale" Nr. 560) 1. Andante 2. Adagio 3. Allegro |
WV 513 | Sonata in D-Dur für Flöte und Basso continuo |
Erschienen:
1. Allegro moderato 2. Andante molto 3. Allegro assai 4. A tempo giusto 5. Andante moderato 6. Allegro 7. Allegro 8. Andante 9. Tempo di Minuetto 10. Vivace 11. Andante 12. Tempo di Minuetto (= Concerto III) 13. Allegro 14. Largo 15. Allegro
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